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St. Chamond

von Stefan Szymanski (1:72 Retrokit)

St. Chamond

Bei dem St. Chamond handelt es sich um einen französischen Panzer aus dem Ersten Weltkrieg, dessen Entwicklung in der gleichnamigen Stadt 1916 seinen Lauf nahm. Die achtköpfige Besatzung konnte auf eine Bewaffnung mit der 75mm-Kanone im Frontbereich, sowie vier MGs im Seiten- und Heckbereich zurückgreifen. Technisch revolutionär war das Antriebssystem, wobei die Ketten durch getrennte Elektromotoren gesteuert wurden. Das machte die Lenkung ungemein komfortabler, doch war das System durch die Überhitzung der Motoren stark anfällig und damit unzuverlässig.

Der größte Nachteil des Panzers war aber der überlange Chassis-Aufbau. Durch den mehr als neun Meter langen Rumpf, der jeweils vorne und hinten ca. zwei Meter über die Ketten hinaus ragte, waren der Geländegängigkeit starke Grenzen gesetzt. Selbst die einfachsten Infanteriegräben konnten nicht überwunden werden. So blieben logischerweise die ersten im Mai 1917 eingesetzten Fahrzeuge alle an Hindernissen stecken. Obwohl man den St. Chamond nach dem desaströsen Einsatz als Panzer-Variante aufgegeben hatte, wurden bis zum Frühjahr 1918 noch ca. 400 im Vorfeld bestellte Modelle fertig gestellt, bevor man die Produktion zu Gunsten des Renaults FT-17 umstellte…

St. Chamond

Wenn man einem kleinen St. Chamond im Maßstab 1:72 habhaft werden will, bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als sich bei den bekannten Kleinserienherstellern umzuschauen. So bietet Modelltrans die frühe Version des Chamond an, der gerade durch die turmartigen Lukenaufbauten auffällt. Retrokit beschränkt sich dabei auf die mittlere und späte Variante. Schaut man sich nun die Bauanleitung des Retrokits an, so fallen einem sofort die Namen Peter Paul-Przybylka (Modelltrans) und Dominique Jadoul (Retrokit) ins Auge. Man kann also davon ausgehen, dass es sich hier um eine Art Gemeinschaftsprojekt handelt, bei dem beide jeweils eine bestimmte Version des Panzers abgesteckt haben. Wenn man die beiden persönlich und auch ihre Arbeit und Herzblut zu schätzen weiß, kann man davon ausgehen, dass man hier einen qualitativ guten und durchdachten Modellbausatz in den Händen hält. Da wünscht man sich des Öfteren eine Zusammenarbeit der beiden kreativen Köpfe…

St. Chamond

Wie schon erwähnt, sind bei mir die Erwartungen bei den beiden Herren immer sehr groß und so wird man hier auch nicht enttäuscht. Der Rumpf ist aus einem Stück gegossen und macht einen hervorragend detaillierten Eindruck. Die typischen Lufteinschlüsse (Löcher) bei Resin-Bausätzen findet man hier höchstens auf der Unterseite, wo diese nicht ins Gewicht fallen.

Der Fahrwerksbereich setzt sich hier aus mehreren Teilen zusammen und macht dabei noch den kompliziertesten Eindruck. Ansonsten findet man noch diverse Kleinteile, wie zwei unterschiedliche Geschützrohre, Blenden, Scheinwerfer und MG-Läufe vor…

St. Chamond

Wie bei allen Resin-Bausätzen machte auch hier das Säubern der jeweiligen Bauteile den Anfang. Die Rumpfunterseite musste dabei von einem mächtigen Angussblock befreit werden. Das richtige Werkzeug, wie Säge und Bohrer sind hier unabdingbar. Bei der eher überschaubaren Anzahl an Kleinteilen waren diese bei mir immer unbeliebten Säuberungsarbeiten aber relativ schnell erledigt. Bei dem Zusammenbau begann ich mit der kompliziertesten Sache, dem Fahrwerk. Bei der „Trockenanpassung“ fiel mir sehr schnell auf, dass die Bauanleitung nicht ganz korrekt ist. So muss man für die mittleren (unteren) Laufrollen erheblich mehr Platz lassen, als vorgegeben. Das Resultat ist, dass beim Übergang zur kleineren Umlenkrolle mit Speichen einfach ein größerer Spalt bleibt. Dies scheint man aber schon berücksichtigt zu haben. Immerhin liegen dem Set genug Panzerketten bei, um mit den passenden Stücken diese Lücke zu schließen. Mit zwei Panzerkettenplatten war das Problem dann auch schnell gelöst.

St. Chamond

Schon zu Anfang sah ich das größte Problem bei der Montage des Fahrwerks am Rumpf. So sollen die Fahrwerke jeweils mit vier genauestens ausgerichteten, spitz zulaufenden Knotenblechen fixiert werden. Mir waren hier gerade mit den Erfahrungen mit Resinbausätzen zu viele Unbekannte in der Gleichung. Zu viele „ungefähre“ Positionsangaben mit nicht immer zu 100% gleichen Bauteilen bedeuteten hier die Gefahr einer krummen/ schiefen Montage. Bei einer Probepassung wurde meine Skepsis bestätigt. Ich entschied mich also für eine andere Vorgehensweise. So fixierte ich Stifte an den Umlenkrollen und Antriebsrädern, lotete deren Position am Rumpf aus und setzte dort passende Bohrungen mit ein paar Zehntel Spiel. Die Knotenbleche positionierte ich direkt an den Fahrwerken. Im sichtbaren Außenbereich war die Optik nun authentisch, während der nicht sichtbare Bereich nun zwar nicht mehr originalgetreu, dafür aber genau und stabil ausgerichtet war. Problem gelöst!

Der Rest war schnell gemacht. Für den Auspuff im Dachbereich verwendetet ich anstatt des zerbrechlichen Resinteils einen 1 mm dicken Kupferdraht, den ich mir passend zurecht bog und auf Maß schnitt.

Da ich mich nach langem Hin und Her für die mittlere Version des St. Chamonds entschied, entfiel die Montage des kastenförmigen Lukenaufbaus im vorderen Bereich…

St. Chamond

Bei der Lackierung favorisierte ich sofort eine typische Mehrfarbtarnung des Ersten Weltkriegs. Dafür besorgte ich mir die passende Farbdarstellung beim gleichnamigen Modell im Maßstab 1:35 von Hobby Boss. Ich griff hier, wie meist, auf meine Lieblingsfarben von Humbrol zurück. So kamen hier H93, H30, H160, sowie H96 zum Einsatz. Das Fahrwerk lackierte ich in einem neutralen Grau, wobei hier durch die spätere großzügige Darstellung von Schlamm eh nicht mehr viel von sehen sein würde…

St. Chamond

Gerade bei Aufbringung eines mehrfarbigen Tarnanstrichs per Airbrush wird man im kleinen Maßstab immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Ich griff hier auf Masking-Putty aus dem Hause MBK (Modellbau König) zurück. Dabei handelt es sich um eine Art Knetmasse, welche man passend auf dem Modell zur Maskierung aufbringt. Der Ruf eilte dieser Knete voraus und war durchgehend sehr gut. Das Handling war hervorragend, wobei man bei diversen Kritiken zu dieser Knete immer wieder aufschnappen konnte, dass der eine oder andere Probleme mit der Haftbarkeit hätte, so dass sich diese Knete auch schnell wieder ablösen würde. Das konnte ich nicht bestätigen, bei mir war es eher umgekehrt. So hatte ich nach getaner Airbrush-Arbeit große Probleme, diese Knete wieder vom Modell zu entfernen. Als passenden Vergleich kann man das berühmte Kaugummi heranziehen. Es blieben immer wieder kleine Reste am Modell haften, die sich nur schwierig mit einem Zahnstocher entfernen ließen. Natürlich litt auch die Lackierung darunter, so dass ich nicht herum kam, hier und dort einige „Farbreparaturen“ mit dem Pinsel durchzuführen. Wo hier der Fehler nun lag, entzieht sich noch meiner Kenntnis, doch werde ich am Ball bleiben, da die Verwendung dieser Knete als Maskierung eigentlich eine sehr gute Idee ist…

St. Chamond

Die restlichen Farbarbeiten erfolgten mit Pinsel. Nach Aufbringung der Decals aus dem Hause „Black Lion“ und der Versiegelung mit Klarlack erfolgten noch die Alterungsarbeiten mit Ölfarben, sowie die Verdreckung des Fahrzeugs gerade im unteren Bereich des Laufwerks durch Pigmente. Ziel war es dieses Mal, das typisch schlammige Terrain des Ersten Weltkriegs zur Geltung zu bringen. Mit der Montage der Laufketten am Rumpf waren die Arbeiten am Modell abgeschlossen…

St. Chamond

Bei der Erstellung des Dioramas sollte (wie schon erwähnt) dieses Mal Schlamm, Nässe und Verwüstung im Vordergrund stehen. Die Vorgehensweise war dabei die gleiche wie auch schon bei vorherigen Arbeiten. Ich arbeitete nur mit dunkleren Bauntönen und Glanz-Klarlack zur Darstellung von Nässe und Pfützen. Ansonsten kam alles Mögliche an Resten zum Einsatz, um das typische zerstörerische Chaos zum Ausdruck zu bringen...

 

St. Chamond

Fazit

Ein Modell, welches keine großen Anforderungen stellt. Einfach und schnell gebaut. Lediglich beim Fahrwerk ist ein wenig mehr Aufmerksamkeit geboten. So kann man sich vorzüglich an den farbfrohen Tarnanstrichen dieser Fahrzeuge austoben. Was will das Modellbauerherz also mehr?

St. Chamond

Stefan Szymanski

Publiziert am 09. September 2019

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